Dieses Rezept habe ich Nadine zu verdanken. Ich habe sie bei einem Online-Vortrag kennengelernt. Ich habe geflüchteten Menschen etwas über die österreichische Küche erzählt und Nadine hat es mir mit ein paar herrlichen Frühlingsrezepten aus ihrer Heimat gedankt, wie dem berühmten Grünen Borschtsch. Sie hat mir das Rezept ihrer Großmutter geschenkt, was mich besonders freut. Es ist ein Lieblingsrezept der Familie. Die Suppe wird mit dem in der Ukraine sehr beliebten Sauerampfer und verschiedenen Wildkräutern zubereitet. Jede Familie hat ihr eigenes Rezept. Die Grundzutat ist Sauerampfer, der muss in großen Mengen immer drinnen sein, ebenso Dill, Frühlingszwiebel, Petersilie und hartgekochte Eier. Und natürlich Sauerrahm. Welche Wildkräuter reinkommen, hängt auch davon ab, was Wald und Wiese hergeben. Das reicht von Brennnesseln, Bärlauch, Sauerklee bis hin zum Giersch. Nadine hat mir auch berichtet, dass in der Ost- und Südukraine Tomatenmark in die Suppe kommt. Das ist allerdings eine moderne Interpretation. Auch Pilze kannst du dazu geben. In den Rezepten der Großmütter ist das drinnen, was im Frühling im Garten und auf Feld und Flur zu finden war. Heute werden Hühnereier verwendet, früher landete auch das ein oder andere Vogelei im Borschtsch. Die Suppe mit ihren vielen frischen Wildkräutern und Gemüse schmeckt aber nicht nur gut, sie ist auch sehr gesund und das Mikrobiom im Darm macht nach dem Genuss sicher Freudensprünge. Wie es bei „alten“ Rezepten so ist, sind die Mengenangaben oft ein Haken. Je nachdem, welche Wildpflanzen im Topf landen, schmeckt die Suppe immer ein wenig anders. Bei den Mengen musst du darauf achten, immer mehr Sauerampfer als Wildkräuter zu nehmen. Ich habe versucht, die Mengenangaben so exakt wie möglich anzugeben. Ukrainer:innen kennen den Geschmack aus ihrer Kindheit. Wenn du mit Gefühl kochst, kann bei der Suppe auch nichts schief gehen. Noch etwas Wichtiges – die Suppe soll sauer und salzig schmecken. Die hartgekochten Eier geben Biss und gemeinsam mit dem Sauerrahm eine angenehme Cremigkeit. Die angegebene Menge reicht für 6 Teller. Mit Hunger kann man das ohne Probleme zu Zweit essen. Die Suppe ist vegetarisch und kalorienarm.
Zutaten
6 Teller Suppe für 2 hungrige Esser als Hauptspeise
- 1 mittelgroße Zwiebel (ca. 90 g)
- 1 TL Butter
- 1,5 l Gemüsefond
- 1 Lorbeerblatt
- 1 große Karotte (ca. 100 g)
- 100 g Wurzelgemüse (Petersilienwurzel, Pastinake, Sellerieknolle)
- 250–300 g Kartoffeln festkochend
- 3 hartgekochte Eier
- 1 großer Bund Sauerampfer (ca. 100 g)
- ca. 50 g Wildkräuter gemischt (junge Brennnessel, Bärlauch, Melden, Giersch, Hirschhornwegerich, Portulak …)
- 50 g frische Dille, Petersilie, Frühlingszwiebel (Rübenblätter, junger Spinat)
- 1 kleiner Becher Sauerrahm
- Salz
Zubereitung
Die Karotte und das übrige Wurzelgemüse schälen und im Blitzhacker fein würfeln. Du kannst auch nur Petersilienwurzel oder Sellerie verwenden, je nachdem was du zuhause hast. Pastinake würde ich nur als Ergänzung nehmen, da sie eher süß ist. Die Zwiebel fein schneiden. In einem großen Topf die Butter erhitzen, die Zwiebelwürfel darin anschwitzen. Mit dem Gemüsefond aufgießen, Karotten, Lorbeerblatt und übriges Wurzelgemüse dazu geben. Für wenige Minuten kochen. Die Kartoffeln schälen und in kleine Würfel schneiden, zur Suppe geben und weichkochen. In der Zwischenzeit den Sauerampfer und die Wildkräuter grob und die übrigen Kräuter fein schneiden. Wenn die Kartoffeln weich sind, den Sauerampfer und die Wildkräuter dazu geben. Für 5 Minuten köcheln lassen. Dann kommen die gehackten Eier dazu. Mit Salz abschmecken. Falls die Suppe nicht sauer genug ist, noch etwas Sauerampfer dazu geben. Den Topf vom Herd ziehen. Dille, Petersilie und Frühlingszwiebel in die heiße Suppe geben, aber nicht mehr kochen lassen. Mit einem Klecks Sauerrahm auf Tellern anrichten und genießen.
Tipp
Bei den Wildpflanzen kannst du, je nach Verfügbarkeit experimentieren. Ich habe neben reichlich Sauerampfer, diesmal Brennnessel, Portulak und Hirschhornwegerich genommen. Vom Ergebnis war ich sehr angetan. Auch der Sauerampfer schmeckt nicht immer gleich sauer, deshalb nimm die Mengenangaben bitte als Empfehlung, nicht als Gebot.